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Lokalnachrichten - 09. Februar 2010

Martin Luther – Reformator und Antisemit ::: Steht die älteste Universität Deutschlands in Erfurt?

Lokalnachrichten 09. Februar
Lokalnachrichten 09. Februar


Martin Luther – Reformator und Antisemit

Erfurt befindet sich in der Lutherdekade. In einigen Städten Deutschlands wird in dieser Zeit mit Veranstaltungen, auf das 500. Jubiläum des Thesenanschlags von Martin Luther hingearbeitet. Für Erfurt ist Martin Luther eine wichtige Persönlichkeit. Hier lebte und studierte Luther knapp 10 Jahre, bevor er seine Romreise antrat. Doch das Luther-Thema für 2010 wäre in Erfurt fast ins Wasser gefallen. Auf Grund der schwierigen Finanzlage, wurde dass Geld ursprünglich komplett gestrichen. Nach einem Antrag von FDP und CDU im letzten Stadtrat, gibt die Stadt Erfurt jetzt zu mindestens 55 Tausend Euro dafür aus. Doch ist Martin Luther überhaupt der Richtige für ein Jahresthema? Darüber kann man durchaus geteilter Meinung sein. Denn Luther war nicht nur der Reformator der Kirche, sonder vertrat auch antisemitische Thesen. Dr. Steffen Raßloff vom Erfurter Geschichtsverein beschreibt Luthers negative Seiten:

„Sein Ziel war es, dass muss man so klipp und klar sagen, nicht die Juden als Menschen, sondern den jüdischen Glauben auszurotten.“

Nach anfänglichen Misserfolgen Juden zu missionieren, forderte er in seiner Schrift „Von den Juden und Ihre Lügen“ die Landesfürsten auf, zu radikaleren Lösungen zu greifen. Vom Lehrverbot für Rabbiner, bis hin, jüdische Synagogen anzuzünden. Doch wie kam es zu dieser radikalen Wendung? Dr. Steffen Raßloff versucht eine Erklärung:

„Man sieht Luther immer als den modernen Menschen, als den Wegbereiter der Moderne, als großen Reformator. Dabei darf man nicht vergessen, dass Luthers Denken, auch sein privates Denken, sehr stark noch im Mittelalter wurzelte.“

Doch diese Aspekte von Luthers Person werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft wenig beachtet. Nur vereinzelt werden zu diesem Thema Veranstaltungen in Erfurt stattfinden. So voraussichtlich im März 2011 in der Alten Synagoge.
Auch die Erfurter Stadträte sind über das Thema Luther geteilter Meinung. Jörg Kallenbach von der CDU-Fraktion erklärt:

„Na ja, ich würde mal sagen, dass ist ein Nebenaspekt. Das war halt vor 500 Jahren wahrscheinlich weitestgehend üblich, dass man so gesprochen hat. Aber ich denke mal, darüber kann man auch heute offen reden. Das ist ja nicht so, dass man da irgendwelche gedanklichen Barrieren hätte.“

Andreas Blechschmidt von der Fraktion DIE LINKE spricht sich dagegen für mehr Aufarbeitung aus:

„Die geschichtliche Aufarbeitung, 500 Jahre Martin Luther. Dass das eine Persönlichkeit ist, die man würdigen sollte, mit den entsprechenden Formen. Wo seine positiven Leistungen zu seiner Zeit liegen, aber dann auch die kritischen Auseinandersetzungen, wo seine Fehler liegen, also ausdrücklich.“

In wie weit das Luther-Thema tatsächlich die Chance bietet, sich kritisch mit Luthers Leben auseinander zu setzen, wird sich zeigen.

(Dominic Eger)

Steht die älteste Universität Deutschlands in Erfurt?

Die Erfurter Universität darf sich mittlerweile wohl zu Recht als die zuerst gegründete in Deutschland rühmen. Nach dem Vortrag von Historiker Dr. Robert Gramsch vergangenen Donnerstagabend scheint festzustehen, dass das Rätselraten um das Alter der Lehranstalt vorbei ist. Für Dr. Gramsch gilt der 16. September 1379 als Gründungsdatum. Somit beging die Universität letztes Jahr ihren 630. Geburtstag.
Obwohl in Erfurt der Lehrbetrieb erst 1392 aufgenommen wurde – und damit nach der Heidelberger Universität – kam hier zuerst die Idee zur Gründung einer solchen Institution auf. Darauf aufbauend lässt sich festhalten, dass sie zumindest die älteste Gründungs- und gewissermaßen „Geburtsurkunde“ besitzt.
Es scheint also, als wäre es Ansichtssache, ob nun die Erfurter Universität oder die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg die ältere von beiden ist.

(Sandra Przyborowski)



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